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Bürgerlich16 Fragen

Schule, Ausbildung, Studium

Abschnitt 1 von 6

Vor der Schule: Kita und Kindergarten

2 Min.

Kernfakten

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Eine Vierjährige in Hamburg, ein Sechsjähriger in München, eine Sechzehnjährige in Leipzig, die überlegt, ob sie eine Lehre als Elektrikerin beginnt oder doch in der Schule bleibt und das Abitur macht, und eine Dreißigjährige in Köln, die abends in einem Kurs sitzt, um das Abitur nachzuholen, das sie damals nicht abgelegt hat. Das deutsche Bildungssystem ist eine Leiter mit mehreren Eingängen und mehreren Ausstiegen. Dieses Kapitel geht sie Sprosse für Sprosse durch.

Zwei Dinge vorab.

Der Bund führt keine Schulen; die sechzehn Länder tun es, jedes mit eigenem Kultusministerium, eigenem Lehrplan, eigenen Schulformen und eigenen Ferien.

Das ist die Kultushoheit, die kanonische Länderkompetenz. Und warum kontrolliert der Staat in Deutschland das Schulwesen? — weil es nach dem Grundgesetz seine Aufgabe ist. Artikel 7 des Grundgesetzes macht das Schulwesen zu einer staatlichen Verantwortung. Der deutsche Staat baut Straßen und Schulen — der deutsche Staat hat viele Aufgaben. Welche Aufgabe gehört dazu? — Er baut Straßen und Schulen. Die Schule ist eine dieser Straßen.

Wir steigen die Leiter gemeinsam hinauf.

Ein deutsches Kind tritt in das öffentliche System lange vor dem Schulanfang ein. In Deutschland haben Kinder ab dem Alter von drei Jahren bis zur Ersteinschulung einen Anspruch auf einen Kindergartenplatz. Der Anspruch ist gesetzlich: Die Kommune ist verpflichtet, einem dreijährigen Kind einen Platz anzubieten. „Kita" — kurz für Kindertagesstätte — ist der Oberbegriff; „Kindergarten" ist das ältere Wort und bleibt für die Drei- bis Sechsjährigen üblich. Die Kosten richten sich nach dem Einkommen; in vielen Familien und vielen Ländern ist der Platz beitragsfrei.

Die Entscheidung, das Kind hinzuschicken, liegt nicht beim Staat.

Das Recht steht dem Kind zu; die Wahl gehört der Familie. Ein Kind, das bis sechs Jahren bei den Großeltern zu Hause bleibt, fängt im nächsten Herbst trotzdem regulär die Schule an. Ein Kind, dessen Eltern beide Vollzeit arbeiten, verbringt neun Stunden am Tag in der Kita und lernt dort das ABC. Beide Wege sind deutsch.

Was die Kita dem Kind beibringt, wenn das Kind kommt, ist die Sprache. Für Einwandererfamilien zählt das mehr als der Lehrplan. Ein dreijähriges Kind, das zu Hause Türkisch, Arabisch oder Polnisch spricht und drei Jahre in die Kita geht, tritt in die erste Klasse ein und kann der Lehrerin auf Deutsch folgen. Das eigentliche Fach des Kindergartens sind nicht Zahlen und Buchstaben, sondern die Sprache des Landes.