Mauerfall und Wiedervereinigung
Die Mauer öffnet sich, 9. November 1989
3 Min.Kernfakten
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Geschichte geschieht manchmal, weil ein Politiker in Eile ein Schriftstück falsch liest. Die Berliner Mauer stand achtundzwanzig Jahre und vier Monate — von einem Sonntag im August 1961 bis zu einem Donnerstag im November 1989 —, und der Moment, in dem sie sich öffnete, war das Ergebnis einer Pressekonferenzverwechslung, einer Journalistenfrage und eines müden Politbüromitglieds, das eine Vorlage zu lesen versuchte, die es nicht zu Ende studiert hatte. Von 1961 bis 1989 war Berlin durch eine Mauer geteilt. Vierzigtausend Tage Beton; dann ging es in zwei Stunden zu Ende.
Dieses Kapitel handelt davon, was zwischen dem 9. November 1989 und dem 3. Oktober 1990 geschah. Elf Monate. Die beiden deutschen Staaten hatten vierzig Jahre getrennt verbracht und die folgenden elf Monate damit, aus zwei Staaten einen zu bauen. Die Bundesrepublik Deutschland nahm die DDR in einer Geschwindigkeit auf, die die Diplomaten überraschte; der Mauerfall wurde innerhalb eines Kalenderjahres zur Wiedervereinigung. Das vorhergehende Kapitel endete mit den Montagsdemonstrationen in Leipzig. Dieses Kapitel ist der Rest der Geschichte.
Am Morgen des 9. November 1989 war die SED im Zerfall. Erich Honecker war drei Wochen zuvor zurückgetreten; sein Nachfolger Egon Krenz hatte keinen Plan. Hunderttausende Ostdeutsche verließen jede Woche das Land über Ungarn, die Tschechoslowakei und die tschechische Botschaft in Prag. Das Politbüro hatte den Morgen damit verbracht, eine neue Reisebestimmung zu entwerfen, die den Bürgerinnen und Bürgern der DDR erlauben würde, Pässe zu beantragen. Die Bestimmung sollte am nächsten Tag in Kraft treten, nachdem die Bürokratie informiert worden wäre.
Um 18:53 Uhr setzte sich Günter Schabowski — SED-Politbüromitglied, dessen Pressekonferenzverwechslung am 9. November 1989 faktisch die Mauer öffnete — vor die Pressekonferenz im Internationalen Pressezentrum in Ost-Berlin. Er war an der Vormittagssitzung des Politbüros nicht dabei gewesen; die Vorlage war ein einzelnes Blatt, das ihm fünf Minuten vor seinem Auftritt in die Hand gedrückt worden war. Ein italienischer Journalist namens Riccardo Ehrman fragte, wann die neue Bestimmung in Kraft trete. Schabowski blickte auf sein Papier. Er runzelte die Stirn. Er sagte: Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort. Unverzüglich.
Er irrte sich. Die Vorlage sah „am nächsten Tag, nach Unterrichtung der Grenztruppen" vor. Aber die Worte waren draußen. Binnen einer Stunde meldete das westdeutsche Fernsehen, die Mauer sei geöffnet. Binnen zwei Stunden waren Tausende Ost-Berlinerinnen und Ost-Berliner zu den Übergängen gegangen — Bornholmer Straße, Invalidenstraße, Checkpoint Charlie — und baten die Grenzposten um Durchlass. Die Grenzposten hatten keinen Befehl. Sie hatten keinen Kontakt zur Berliner Zentrale. Sie öffneten die Schlagbäume selbst.
Um Mitternacht war die Mauer ein Fest. Fremde umarmten sich auf ihr; Vorschlaghämmer hieben in den Beton; West-Berliner reichten Ost-Berlinern Blumen und Sektflaschen. Die beiden Hälften einer Stadt hatten achtundzwanzig Jahre lang nicht auf demselben Platz gestanden.
Wann wurde die Mauer in Berlin für alle geöffnet?
1989.
Die Mauer fiel im Sinne der Bauarbeiten erst Monate später — der offizielle Abriss zog sich bis ins Jahr 1990 —, aber in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 hörte die Mauer auf, eine Mauer zu sein. Sie wurde zum Souvenir.
In diesem Moment wurde der Herbst 1989 in der DDR zu Die Wende im größten Sinn. Warum nennt man die Zeit im Herbst 1989 in der DDR „Die Wende"? In dieser Zeit veränderte sich die DDR politisch — von einer Diktatur zur Demokratie. Von 1961 bis 1989 war Berlin durch eine Mauer geteilt. Achtundzwanzig Jahre.
Es gibt eine Fußnote zu diesem Datum, die die deutsche Politik nicht vergessen hat. Der 9. November ist das gewichtigste Datum im deutschen Kalender.
In welchem Jahr zerstörten die Nationalsozialisten Synagogen und jüdische Geschäfte in Deutschland?
1938.
Was passierte am 9. November 1938 in Deutschland?
Jüdische Geschäfte und Synagogen werden durch Nationalsozialisten und ihre Anhänger zerstört.
Das Parlament des wiedervereinigten Deutschlands, das einen Nationalfeiertag wählen musste, konnte ehrlicherweise das Land nicht bitten, am Tag der Reichskristallnacht zu feiern. Also blieb der 9. November das Datum des Mauerfalls, der Feiertag aber zog anderswohin.
Wann wurde die Mauer in Berlin für alle geöffnet? — 1989. Von 1961 bis 1989 war Berlin durch eine Mauer geteilt.